Stones

Immer auf die Kleinen..

Ich muss jetzt mal eine Lanze für die Griechen brechen. Pausenlos wird jetzt auf sie eingeprügelt, weil sie so verschwenderisch, korrupt, großspurig und reizbar aber mäßig kompetent und realitätsnah in Wirtschaftsfragen, ständig am Schummeln und Steuerhinterziehen, sozialutopistisch und in einem überzogenen Anspruchsdenken gegenüber dem Staat verhaftet, bei gleichzeitigem Ignorieren des drohenden Bankrotts des Selbigen seien. Na und? Das sind sie seit 200 Jahren! Jetzt soll niemand ankommen und so tun, als wäre man davon überrascht oder darüber empört. Realitätsferne gehört dort zur Identität und wenn sie sich mal wieder verrannt haben, dann stehen der Rest Europas gütig lächend daneben und hilft selbstverständlich aus der Patsche. Und das ist auch völlig in Ordnung so, schließlich sind sie die Keimzelle Europas, die Namensgeber, sie haben das Fundament gegossen. Daher habe ich auch nichts dagegen, wenn man bei den Maskottchen der EU mal beide Augen zudrückt. Und mal ehrlich, 300 Mrd. € Gesamtverschuldung, das ist doch auch nicht gerade das Ende des Abendlandes. Wenn die etwas sparen ist das ja ganz gut, aber wegen den paar Euros muss man die ja nicht gleich so angehen..

11. März 2010, 11:37 von Andreas Jahn Kommentare

Eine neue Ära?

Im Moment schwappt die Drohnendiskussion über den großen Teich auch zu uns und spannenderweise wird das Thema recht moralisch rezipiert: Darf Obama in Pakistan mit unbemannten Fluggeräten operieren? Ist das nicht wie ein Videospiel? Wie kann man denn seelenruhig Taliban töten und sich danach zu Frau und Kindern an den Abendbrottisch setzen?

Dabei drängen sich mir ganz andere Fragen auf, die sich am Besten mit diesem XKCD-Comic zusammenfassen lassen (Für alle nicht-Geeks: es bezieht sich auf Terminator 1). Es ist ja nicht so, dass nur die USA an Drohnen basteln würden, mittlerweile macht das die halbe Welt, zumal sich nun ohne die ganzen Pilotenausstattung an Bord auch mäßig solvente Länder Tarnkappen-Fähigkeiten zulegen können. Bei den meisten Entwicklungen werden Serienreifen zwischen heute und 2015 angegeben, so dass man davon ausgehen kann, dass in 10 Jahren jedes im globalen Machtpoker relevante Land über entsprechende Geräte verfügen wird. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Einsatzprofile der heutigen Drohnen noch an die frühen Flieger im 1. Weltkrieg erinnern. Es wird aufgeklärt und hin und wieder am Boden ein Ziel angegriffen. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis die ersten Jagddrohnen vom Band laufen, die dann auch deutlich autonomer operieren müssen, als sie es heute noch können.
Und ist die Idee nicht für jeden Planer einer militärischen Aktion absolut bestechend? Bald kann man ganze Luftkriegs-Kampagnen gegen ein Land führen, ohne das Leben von auch nur einem Soldaten zu riskieren. Es reduziert sich alles auf Geld, Produktionskapazitäten und Technologieführerschaft. Und es wird effizienter! Wenn heute auf einen Flugzeugträger 80 Kampfflugzeuge passen, dann kann man statt dessen sicher auch 1000 Drohnen reinstapeln. Genauso gut könnte man die auch von einem U-Boot aus abschießen, mit Cruise Missiles geht das ja auch. Oder wie wär’s mit der mobilen Abschussrampe auf dem LKW. Dann braucht man auch nicht mehr warten, bis vom nächsten Flugplatz die Unterstützung eintrudelt.
Und wenn ich mir ferner überlege, dass man in 30 Jahren wahrscheinlich die Möglichkeit hat, mittels Stealth-Drohnen auf einen Befehl hin und auf die Sekunde genau koordiniert die Luftverteidigung und Kommunikationsnetze ganze Länder auszuknipsen, dann bekomme ich kalte Füße.

10. März 2010, 14:21 von Andreas Jahn Kommentare [3]

Langsam könnte es aber mal wärmer werden

Letzte Woche hatten wir in Houston 20°C! Dort bin ich kurzärmlig rumgelaufen und hätte beim Paper-Lesen in der Sonne fast einen Sonnenbrand bekommen.

Und hier? Heute morgen waren es -7°C, meine Nase ist schon wieder zu und das Satellitenbild zeigt immer noch große weisse Flächen in Deutschland. In anderen Jahren bin ich Ende März schon joggen gegangen, was um die 15°C Abendtemperatur vorraussetzt. Also eigentlich müsste jetzt jeden Moment der Frühling ausbrechen..

9. März 2010, 11:53 von Andreas Jahn Kommentare

Das übl(ich)e Spiel mit den Zahlen II

Wie viel verdient man eigentlich in diesem Land und was steht einem zur Verfügung? Zu dieser Frage werden öfters Pressemitteilungen und statistische Daten in den Raum geworfen, aber bisher haben die mich nur wenig schlauer gemacht, weil sie meist vage oder schlecht vergleichbar waren. Trotzdem interessiert mich das, zumal man sich ja auch selbst bzw. die eigenen Erwartungen/Hoffnungen für die Zukunft einschätzen möchte. Hier fand ich was brauchbares:

Auf den ersten Blick sieht man die Erwartungen bestätigt; da gibt es eine großen Anteil mit Haushalten, die um die 1000€ zur Verfügung haben und einen in der Masse immer noch breiten Anteil von Leuten mit 2-,3- oder 4000 € am Monatsende. Also Geringverdiener und Mittelschicht.

Nun fiel mir aber auf, dass sich auf der Y-Achse die Gruppen-Breiten verändern. Da bilden z.B. die Leute von 1,3 bis 1,5 tsd. € eine Gruppe, während die von 3,2 bis 4,5 tsd. € auch eine bilden. Seltsam. Also habe ich in 100€-Schritten geschaut, wie viele 100er- Schritte in eine der obigen Gruppen passen, und somit gleiche Intervallgrößen hergestellt. Wenn also 4,3 Mio Haushalt in der 500-900€ Gruppe stecken, dann sind es jeweils 1,075 Mio in den Bereichen 500-600€, 600-700€ usw. (die Sonstigen wurden weggelassen).

Dadurch kam natürlich eine ziemlich kantige “Kurve“ zustande und die sieht nun so aus:

Ich muss zugeben, dass mich das ziemlich erstaunt hat, eine so deutliche Abnahme nach oben hätte ich nicht erwartet. Wohl gemerkt handelt es sich hier um eine Vereinfachung. In den Haushalten kann nur ein Einzelner leben oder auch eine 5-Kopf-Familie mit 2 Erwerbspersonen, das wird hier nicht unterschieden. Unterstellt man jedoch einen Zweipersonen- Haushalt mit zwei Verdienern, in denen jeder 1,5 tsd. € nach Hause bringt, dann gehört man anscheinend schon zu den Wohlhabenden.

Aber wie sieht das anteilig aus? Dafür habe ich geschaut, wie viel Prozent die Gruppen der Einkommen von 0-500€, 500-1000€ usw. ausmachen:

Hier sieht man es noch mal schön deutlich, ziemlich genau 70% der Haushalte haben weniger als 2500€ im Monat zur Verfügung oder 1250€ pro Erwerbsperson. Klar, 50% haben tatsächlich 2-4000€ in der Kasse, aber ich hätte bei der Mittelschicht einen “Buckel“ in der Kurve erwartet und keine solch stetige Abnahme (Der Huckel bei 4.5k€ ist ein Artefakt..).

Mich wundert das. Daher nehme ich Anregungen und Kritiken bezüglich Datenquelle, Logik und Auswahlkriterien gern entgegen.

25. Februar 2010, 13:56 von Andreas Jahn Kommentare [2]

Versteckte Vielschichtigkeit

Vorhin warf A. den Gedanken auf, dass man den Film Avatar auch als Metapher für die Folgen der langsam aber stetig um sich greifenden Sucht nach Online-Spielen sehen könnte, wobei hier besonders WoW gemeint wäre. Und der Gedanke hat schon was: ein Kriegsversehrter mit beschränkten Erfolgsaussichten im alltäglichen Überlebenskampf nutzt einen Computer, um sich in eine andere idealisierte Welt zu versetzen, in der er große Heldentaten vollbringen kann und neben Spass und Lebenssinn sogar noch soziale Anbindung findet. Dem kann er schon bald so wenig widerstehen und seine realen Bedürfnisse entgegensetzen, dass er immer unwilliger zurückkommt, Nahrungsaufnahme und Körperpflege vernachlässigt und letztendlich für seinen Arbeitgeber untragbar wird.

Hier endet die Parallele, zumal Cameron den armen Tropf per mystischen Gaia-Kunstgriff mit seinem Avatar verschmelzen und vollends in der fremden Welt aufgehen lässt. Aber ein alternatives Ende wäre wohl eher geschäftsschädigend gewesen, wo man doch neben dem Film noch ein Spiel verkaufen möchte.

21. Februar 2010, 23:19 von Andreas Jahn Kommentare [2]

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