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Stones: Vom Geben und Bekommen

Stones: Vom Geben und Bekommen

Vom Geben und Bekommen

Kürzlich ließ im Fernsehen jemand den Begriff Matthäus-Effekt fallen, um (wie er fand) ungerechte Verteilungsphänomene zu beschreiben. Ein kurzes Nachschlagen in der Weltbibliothek brachte Klarheit über den faszinierenden Hintergrund des Begriffes, der auf das schöne Bibelzitat zurückgeht:
„Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, dass er Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch genommen, was er hat.“

In der dazugehörenden Geschichte wird der gewöhnliche Vorgang der Wohlstands-Differenzierung dargestellt, den ich so erst mal gar nicht kommentieren will, auch wenn in der Bibelstory noch ein Prise Gemeinheit seitens des Geldverleihers mitspielt. Über die soziologische Seite will ich mich auch nicht auslassen, dafür über die erstaunliche Eigen-Dynamik des materiellen Besitzes.

Denn offenbar entstehen und verstärken sich Flieh-Kräfte bei der Abweichung vom Mittelpunkt, der rein materiell gesehenen Mittelschicht der Gesellschaft. Unsereins kennt ja meist nur die eine Seite dieser Dynamik, die nach unten. Sobald man ein kritisches Vermögensmaß unterschritten hat, schränkt sich plötzlich die eigene Handlungsfähigkeit massiv ein, so dass negative Folgeeffekte eintreten und man einen erhöhten Kraftaufwand benötigt, um die eigene Situation zu stabilisieren bzw. wieder aufzuwerten. Konkret kann das heißen, dass man einen schlecht bezahlten Job hat, in sozialen Niederungen lebt und wohnt, entsprechende Rankings von Banken und Versicherungen hat, man kein Investitionskapital hat oder erhält, um sich daraus zu befreien, von sklaventreibenden Chefs abhängig ist, die einen rauszuwerfen drohen, wenn man nicht noch eine Wochenendschicht freiwillig bei einer weiteren Lohnkürzung macht, man sich keine Urlaub leisten kann, körperlich und geistig degeneriert, man zwischenmenschlich immer weniger anschlussfähig wird, etc, etc.. Da gibt es unzählige Möglichkeiten, sich in einen Abgrund zu bewegen, vor allem psychologisch, und geschubst wird man noch von Banken, Behörden, der öffentlichen Meinung oder überhaupt der Gesellschaft und der Prozess ist selbstverstärkend.
Spannend ist nun aber, dass es auch die andere Seite gibt, die mit dem gleichen Phänomen zu tun hat. Allerdings geht es hier steil nach oben. Je mehr Geld man hat, zugegeben muss es schon ziemlich viel sein, desto bessere Möglichkeiten gibt es, dieses gewinnbringend zu investieren, desto geringer ist die eigene Konsumquote am Einkommen und desto besser kann man sich vor der Umverteilungsdoktrin des Sozialstaats verstecken. Plötzlich ist man nicht mehr nur eine Melkkuh sondern ein potentieller Investor, den man nicht verschrecken darf. In der Bank wird man zum Premiumkunden, der mit Handschlag begrüßt wird, Offshore- Geldspeicher unterbieten sich gegenseitig mit den niedrigsten Steuern und Gebühren und auch die Politik will plötzlich, dass sich die eigene Leistung wieder lohnt. Fallende Spitzensteuersätze, Kopfpauschalen oder gekonnte Abschreibungskniffe machen einem zum Gewinner und auch hier ist der Prozess selbstverstärkend. Das ist kein Vorwurf – nur meine Beobachtung.

Und die Mitte? Sie ist das fast ruhende Zentrum, hier sitzt das Doppelverdiener- Ehepaar im Eigenheim, vor dem zwei Autos stehen, und gruselt sich abwechselnd vor dem sozialen Abstieg oder träumt vom Aufstieg. Dabei sind die Wirkkräfte hier am geringsten, man hat ein soziales Netz, dass einem schnell mal aus der Patsche hilft, während man selbst zu ’mittendrin’ ist, als dass man sich über seinesgleichen deutlich erheben könnte. Allerdings nehmen die Fliehkräfte in den letzten Jahren zu, noch ein Eindruck von mir, während die Regierung fleißig mitkurbelt, die Unterschicht dämonisiert und paradoxerweise gleichzeitig die Erosion der Mittelschicht beklagt, ohne etwas dagegen zu unternehmen. Und mittlerweile bekommt man sogar Schadensersatz zugesprochen, weil die Bank einem nicht davor gewarnt hat, dass der eigene Staat hinter das Geheimnis der privaten Schwarzgeldkonten gekommen ist.

12. Februar 2010, 12:34 von Andreas Jahn

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